Gold und Silber beendeten den US-Handel am Freitag deutlich fester. Ein schwächerer US-Dollar, Absicherung gegen fiskalische Risiken und die anhaltende Unsicherheit rund um die Straße von Hormus stützten die Nachfrage nach Edelmetallen, obwohl die Renditen von US-Staatsanleihen erhöht blieben. Aktuell notierte der Goldpreis bei rund 4.602 US-Dollar je Unze und damit ca. 1,86 Prozent im Plus. Silber handelte bei knapp 68,90 US-Dollar, ein Tagesgewinn von ungefähr 1,29 Prozent.
Goldpreis profitiert von schwachem Dollar und Fiskalsorgen
Die jüngste Bewegung des Goldpreises bleibt von mehreren gegenläufigen Kräften geprägt. Auf der einen Seite zeigten US-Konjunkturdaten weiter robuste Signale: Der Flash Composite PMI stieg im August auf 56,0 und damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Getrieben wurde der Anstieg vom Services-PMI bei 56,8, während das verarbeitende Gewerbe auf ein Fünf-Monats-Tief von 53,2 zurückfiel.
Auf der anderen Seite fiel der US-Dollar-Index unter die Marke von 99,00. Gleichzeitig blieben fiskalische Sorgen präsent, während die Markterwartung für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September weiter nachließ. Zwar zeigten die in dieser Woche veröffentlichten Fed-Protokolle, dass mehrere Währungshüter bei anhaltender Inflation weiterhin zu höheren Zinsen bereit wären. Die Terminmärkte neigen jedoch weiter zu einer Zinspause im September.
Die Renditen blieben dennoch hoch. Die zehnjährige US-Rendite bewegte sich im Bereich von 4,7 Prozent, die dreißigjährige bei rund 5,3 Prozent. Investoren schauten damit über den Rückkaufplan der US-Treasury für langlaufende Anleihen hinweg und hielten den Druck am langen Ende der Zinskurve aufrecht. Für den Goldpreis bedeutet das ein gemischtes Umfeld: Der schwächere Dollar und defensive Nachfrage stützen, hohe Renditen begrenzen jedoch einen klareren Rückenwind.
Technisch erreichte Gold im Tageshoch 4.632,90 US-Dollar und überschritt das Ziel bei 4.595 US-Dollar. Zudem hielt der Goldpreis oberhalb des Bereichs seines 200-Tage-Durchschnitts. Als nächste Widerstandsmarke gilt 4.653,25 US-Dollar; bei einem nachhaltigen Sprung darüber rücken 4.852,91 US-Dollar in den Fokus. Auf der Unterseite werden 4.453,59 US-Dollar, danach 4.382,83 und 4.253,93 US-Dollar genannt.
Silber zeigt relative Stärke im Edelmetallsektor
Silber folgte der Goldbewegung, entwickelte aber im Wochenverlauf eine eigene Dynamik. Das Metall erreichte zwischenzeitlich 70,14 US-Dollar, bevor es wieder in Richtung 69 US-Dollar zurückkam. In derselben Woche hatte Silber bereits die Marken von 66,55, 68,02 und 69,48 US-Dollar überwunden. Der nächste Fokus liegt nun auf dem Bereich zwischen 71,00 und 72,08 US-Dollar.
Die Bewegung wird sowohl makroökonomisch als auch fundamental begründet. Der Treasury-Rückkaufplan hatte zunächst die Umkehr bei Dollar und Zinsen ausgelöst. Gleichzeitig stützt bei Silber die Erzählung von industrieller Nachfrage und Defiziten, was dem Metall half, Gold bis zum Handelsschluss zu übertreffen. Technisch liegt der nächste Widerstand bei 70,14 US-Dollar, danach bei 71,56 und 72,08 US-Dollar. Unterstützungen werden bei 66,29 und 64,20 US-Dollar gesehen, mit tieferen Zielmarken bei 62,75 US-Dollar.
Geopolitisch bleibt die Straße von Hormus ein wichtiger Einflussfaktor für Ölpreise, Inflationserwartungen und defensive Edelmetallnachfrage. Die Friedensgespräche zwischen den USA und Iran stocken, die USA bereiten strengere Sanktionen gegen Teheran vor und der kommerzielle Verkehr durch die Meerenge liegt weiter deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Brent notierte nahe 93,29 US-Dollar je Barrel, WTI bei rund 84,34 US-Dollar.
Damit bleibt das Umfeld für Edelmetalle stützend, aber nicht eindeutig. Eingeschränkte Schifffahrt im Golf und ein schwächerer Dollar sprechen für Absicherungsnachfrage. Gleichzeitig halten hohe Ölpreise Inflationsrisiken am Leben und verhindern einen klaren Rückgang der Anleiherenditen. Die nächsten wichtigen Impulse erwartet der Markt vom Juli-PCE-Inflationsbericht und den Jackson-Hole-Aussagen von Fed-Chair Kevin Warsh.
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