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Notenbanker: Gold bleibt Reserveanlage trotz hoher Renditen

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Notenbanker: Gold bleibt Reserveanlage trotz hoher Renditen

Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association im italienischen Sorrent haben Vertreter der Banca d'Italia und der Deutschen Bundesbank am 5. Oktober bekräftigt, dass Gold für Währungsreserven strategisch wichtig bleibt – trotz des diesjährigen Renditeschubs an den Anleihemärkten. Für Anleger ist das ein seltener Einblick in die Abwägungen jener Käufergruppe, die den Goldmarkt seit 2022 maßgeblich geprägt hat.

Was Nagel und Altimari in Sorrent gesagt haben

Sergio Nicoletti Altimari, stellvertretender Gouverneur der Banca d'Italia, bezeichnete Gold vor den Konferenzteilnehmern als sicheren Hafen, dessen Rolle sich über ein breites Spektrum von Krisen hinweg bewährt habe. Besonders relevant sei das in einem Umfeld hoher geopolitischer Risiken und wachsender Sorgen über eine wirtschaftliche Fragmentierung, zitiert ihn Reuters.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel setzte einen anderen Akzent: Steigende Renditen erhöhten die relative Attraktivität von Anleihen für Reservemanager. Zugleich spreche aber weiterhin viel für eine Diversifikation in Gold – wegen des anhaltenden geopolitischen Drucks und wegen des Kreditrisikos, das mit hohen Schuldenständen einhergehe.

Damit benennen beide Notenbanker dasselbe Spannungsfeld aus zwei Richtungen. Anleihen werfen wieder spürbare Kupons ab, Gold nicht. Doch genau die Ursache der höheren Renditen – die Staatsverschuldung – ist zugleich das Argument, das Gold im Reserveportfolio hält. Für Reservemanager ist Gold kein Renditeinstrument, sondern eine Absicherung gegen Ausfall- und Abwertungsrisiken des eigenen Anleihebestands.

Warum der Zusammenhang von Gold und Realzinsen bröckelt

Lehrbuchmäßig gilt: Steigen die Renditen, verteuert sich das Halten eines zinslosen Vermögenswerts, der Goldpreis gibt nach. Dieses Muster hat 2026 nur eingeschränkt funktioniert. Zwar liegt der Goldpreis laut Reuters in diesem Jahr rund 4 Prozent im Minus, während die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen auf Mehrjahrzehnte-Hochs gesprungen sind. Nach Einschätzung von Analysten hielten Zentralbankkäufe und die Nachfrage nach sicheren Häfen die Notierungen jedoch oberhalb von 4.000 US-Dollar je Unze.

Altimari führt das auf eine strukturelle Verschiebung seit 2022 zurück, getrieben von Käufen der Notenbanken in Schwellenländern. Hinzu kämen Bedenken wegen hoher Staatsschulden und fiskalischer Expansion. Beides habe die traditionelle inverse Beziehung zwischen Gold und realen Anleiherenditen geschwächt – besonders deutlich im vergangenen Jahr und zu Beginn dieses Jahres.

Für die Einordnung von Kursbewegungen ist das relevant: Wer den Goldpreis allein an den Realzinsen misst, arbeitet mit einem Modell, das die beteiligten Notenbanker selbst als gelockert beschreiben. Ein Kursrückgang von rund 4 Prozent bei gleichzeitig stark gestiegenen Renditen fällt vergleichsweise moderat aus.

Zentralbankkäufe: 720 Tonnen erwartet, 15 Prozent weniger

Die Nachfrage der Zentralbanken dürfte 2026 nachlassen, aber auf hohem Niveau bleiben. Die Beratungsgesellschaft Metals Focus rechnete in ihrer Prognose vom Juni mit einem Rückgang um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 720 Tonnen im Jahr 2026. Damit läge der Wert weiterhin über dem Niveau der Jahre vor 2022.

Diese Zahl ist das quantitative Gegenstück zu den Aussagen aus Sorrent. Sie zeigt, dass die offizielle Nachfrage zwar an Dynamik verliert, aber nicht in den alten Normalzustand zurückfällt. Für den Markt macht das einen Unterschied: Zentralbanken kaufen in der Regel preisunelastischer und mit längerem Horizont als börsengehandelte Fonds oder Terminmarktakteure.

China: Barren und Münzen überholen erstmals den Schmuck

Eine zweite Verschiebung beschrieb Zeng Hui, Vizepräsident der Shanghai Gold Exchange. Der Goldmarkt habe in den vergangenen Jahren tiefgreifende Veränderungen bei Nachfragestruktur und Preisbildung erlebt. In China, dem größten Verbraucherland, treiben zunehmend Investmentnachfrage und institutionelle Anleger das Geschehen.

2025 überstiegen die Käufe von Barren und Münzen dort erstmals den Schmuckabsatz. Schmucknachfrage reagiert typischerweise empfindlich auf hohe Preise, Investmentnachfrage dagegen eher auf Erwartungen zu Zinsen, Währung und Risiko. Verschiebt sich das Gewicht dauerhaft in Richtung Anlage, verändert das auch die Preisreaktion auf Kursanstiege.

Was die Reservelogik für Anleger bedeutet

Die Botschaft aus Sorrent lautet nicht, dass Gold gegenüber Anleihen gewinnt. Sie lautet, dass beide Seiten derselben Entwicklung – hoher Staatsverschuldung – unterschiedliche Reserveanlagen begünstigen. Nagel beschreibt Anleihen als relativ attraktiver geworden und hält Gold zugleich aus Risikogründen für sinnvoll.

Anleger können daraus vor allem eines ablesen: Die offizielle Nachfrage, die den Markt seit 2022 stützt, folgt sicherheits- und nicht renditegetriebenen Motiven. Solange geopolitische Risiken und Schuldenstände im Zentrum der Reservedebatte stehen, bleibt diese Nachfragekomponente von Zinsbewegungen weniger abhängig als die privater Investoren.

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