Kurzfristig zollt Gold den massiv gestiegenen Opportunitätskosten zinsloser Anlagen Tribut. Die Analysten von BMO haben die Prognose für das vierte Quartal daher leicht auf durchschnittlich 4.650 US-Dollar je Unze gesenkt. Die eigentliche Sensation ist jedoch der langfristige Ausblick: Die Bank schraubt ihr langfristiges Preisziel von 3.100 auf 4.000 US-Dollar massiv nach oben.
Die Analysten konstatieren einen fundamentalen Abkopplungsprozess. Gold reagiert deutlich widerstandsfähiger auf steigende Realrenditen und restriktive Zentralbanken, als es traditionelle Modelle vorhersagen würden. Statt rein auf Zinsen zu blicken, werde der Goldpreis nun von tiefgreifenderen strukturellen Kräften getrieben:
De-Dollarisierung und Entwertungssorgen: Wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit der ausufernden US-Staatsfinanzen (Stichwort Laufzeitprämie) treiben Anleger kontinuierlich in den sicheren Hafen.
Chinas antizyklische Macht: Eine anhaltend kräftige Nachfrage der chinesischen Zentralbank (PBoC) sichert den Preis nach unten ab und etabliert ein fundamental höheres Basisniveau als in früheren Zyklen.
Zwar bleibt ein weiter eskalierender Ölpreis ein kurzfristiges Zins-Risiko, doch laut BMO überwiegen beim Gold inzwischen die asymmetrischen Aufwärtsrisiken. Die Rückkehr über die psychologisch wichtige Marke von 5.000 US-Dollar wird nun für das zweite Quartal des kommenden Jahres angepeilt.
Silber-Prognose: Industrieschwäche kurzfristig, aber höheres Basisniveau
Bei Silber zeigt sich ein ähnliches, wenn auch volatileres Bild. BMO senkt die Erwartungen für das Schlussquartal auf 67,40 US-Dollar (zuvor 71,40 USD) und rechnet damit, dass das weiße Metall kurzfristig hinter der Goldentwicklung zurückbleiben wird.
Der Hauptgrund für diese Schwäche liegt im Industriesektor, speziell in der Solarbranche. Der extreme Preissprung auf über 120 US-Dollar je Unze im vergangenen Januar hat die Solarhersteller schneller als erwartet zu rigorosen Einsparmaßnahmen gezwungen. Durch schmalere Metallisierungslinien und den verstärkten Einsatz von kupferbasierten Ersatzpasten sinkt die Silberintensität pro Modul spürbar.
Dennoch bleibt das übergeordnete Bild für Investoren hochgradig bullisch: Auch bei Silber hebt BMO deshalb die langfristige Preisprognose massiv an – von 36 auf 47 US-Dollar je Unze (plus 31 Prozent). Trotz industrieller Sparmaßnahmen sorgt die schiere Wachstumsdynamik der grünen Technologien dafür, dass die historische Preisuntergrenze des Metalls dauerhaft nach oben verschoben wurde.
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