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Silber und Gold im Rallyemodus: Fed-Zinsangst weicht Erleichterung

3 Min.
Silber und Gold im Rallyemodus: Fed-Zinsangst weicht Erleichterung

Der erste Zinsschritt der Federal Reserve seit über drei Jahren sollte zinslosen Edelmetallen eigentlich schwer zusetzen – doch an den Terminmärkten vollzieht sich das exakte Gegenteil: Gold und Silber drehen unmittelbar nach dem Zinsbeschluss kraftvoll ins Plus und verwandeln die befürchtete Zinsfalle in eine dynamische Entlastungsrallye. Spotgold kletterte mit einem Tagesplus von 1,8 Prozent zurück über die Marke von 4.340 US-Dollar je Unze, während Silber mit einem Kurssprung von fast 3,6 Prozent auf über 65 US-Dollar vorprescht. Mittlerweile bauen beide Edelmetalle den Anstieg im europäischen Handel noch einmal deutlich aus. Was zunächst wie eine paradoxe Marktreaktion wirkt, entpuppt sich als klassisches „Sell the Rumor, Buy the Fact“-Muster, flankiert von fallenden Treasury-Renditen und nachgebenden Energiepreisen.

Renditerückgang und fallendes Rohöl nehmen Zinsdruck aus dem Markt

Auslöser der Trendwende ist eine spürbare Entspannung an den Flanken des Edelmetallmarktes. Obwohl die Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent anhob und mindestens eine weitere Straffung in Aussicht stellte, reagierten die Anleihemärkte mit Erleichterung: Die Rendite richtungsweisender zehnjähriger US-Staatsanleihen sackte von 5,01 Prozent prompt auf 4,93 Prozent ab. Parallel dazu verlor der US-Dollar an Schwung, da institutionelle Investoren die geldpolitischen Zinsschritte für dieses Jahr weitgehend als eingepreist betrachten.

Zusätzlichen Rückenwind liefert der Rohölmarkt, der den Inflationsdruck kurzfristig dämpft. Berichte über zusätzliche saudi-arabische Öllieferungen via Oman sowie Fortschritte bei der Instandsetzung der East-West-Pipeline drückten die Nordseesorte Brent und auch WTI nach unten in Richtung 100 US-Dollar je Barrel. Dieses leichte Nachlassen der Energiepreise nimmt den Notenbankern vorübergehend das Argument für noch aggressivere Zinsschritte und senkt zeitgleich die realen Haltekosten für physische Edelmetalle.

Silber erobert Schlüsselmarke – Gold vor Härtetest bei 4.354 Dollar

Charttechnisch zeichnet die Gegenbewegung ein deutlich aufgehelltes Bild, verlangt jedoch nach Anschlusskäufen. Bei Silber sticht die Rückeroberung der Marke von 64,86 US-Dollar hervor. Um den jüngsten Abverkauf endgültig als Bärenfalle abzustempeln, müssen die Bullen nun die massive Widerstandszone zwischen 65,73 und 66,99 US-Dollar durchbrechen. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 67 US-Dollar öffnet den Weg in Richtung des Mehrmonatshochs bei 68,17 US-Dollar, während auf der Unterseite die Bastion bei 63,44 US-Dollar das Korrekturtief absichert.

Beim Goldpreis fungiert die Zone um 4.354 US-Dollar als unmittelbare Wegscheide. Gelingt hier der Befreiungsschlag auf Tagesschlussbasis, rücken zügig die nächsten Etappenziele bei 4.403 sowie 4.434 US-Dollar ins Blickfeld. Scheitert der Anlauf hingegen am aktuellen Zinsdeckel der Fed, dient das Niveau um 4.283 US-Dollar als primäre Unterstützung. Für Rohstoffanleger bleibt das Umfeld zweigeteilt: Zwar deckelt die falkenhafte Fed-Rhetorik überbordende Kurseuphorie, doch die Kombination aus ungelösten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und nachgebenden Anleiherenditen zementiert ein solides Fundament unter beiden Edelmetallen.

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