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Die Straße von Hormus – Vier Katastrophen mit Ansage: 2. Düngemittel und Lebensmittelversorgung

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Die Straße von Hormus – Vier Katastrophen mit Ansage: 2. Düngemittel und Lebensmittelversorgung

Öl ist das offensichtliche primäre Opfer einer gesperrten Straße von Hormus. Doch es gibt eine Katastrophe, die noch tiefer in das Fundament menschlicher Zivilisation eingreift: der Ausfall der Düngemittelversorgung. Wer nicht versteht, wie eng Stickstoffdünger, Kali und Phosphate mit dem globalem Ernährungssystem verknüpft sind, wird die Tragweite dieser Krise massiv unterschätzen.

Die Golfstaaten – allen voran Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – sind Weltmarktführer bei der Produktion von Stickstoffdüngern auf Erdgasbasis. Katar allein gehört zu den größten Exporteuren von Harnstoff und Ammoniak weltweit und beliefert Europa, Südostasien und Teile Afrikas.

Rund 15 bis 18 Prozent des global gehandelten Harnstoffs stammen aus der Golfregion und müssen die Straße von Hormus passieren, um zum Kunden bzw. zum Bauer auf dem Feld gelangen zu können. Hinzu kommt, dass die Weltmarktpreise für Düngemittel extrem stark auf Angebotsschwankungen reagieren. Das haben im Frühjahr 2022 bereits die massiven Verwerfungen nach dem Beginn des Ukraine-Krieges eindrücklich gezeigt.

Werden Nahrungsmittel schon bald zum unerschwinglichen Luxus?

Düngemittel sind kein Luxus, sondern eine Frage des Überlebens. Ohne ausreichende Stickstoffzufuhr sinken die Ernteerträge je nach Kulturpflanze und Region um 30 bis 50 Prozent. Landwirte, die auf Kredit wirtschaften und deren Kalkulationen auf stabilen Einkaufskosten beruhen, stehen bei explodierenden Düngerpreisen schnell vor dem Ruin. Betroffen sind nicht nur Großagrarier, sondern vor allem Kleinbauern in Entwicklungsländern, die ohnehin wenig Puffer haben.

Die Kettenreaktion durch eine dauerhafte Sperrung der Straße von Hormus wird sich über mehrere Erntezyklen hinziehen und damit einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren umspannen. In den ersten Monaten steigen die Preise für Düngemittel dramatisch. Viele Landwirte reagieren darauf, indem sie ihre Ausbringungsmengen einschränken. Die nächste Ernte fällt entsprechend magerer aus, die übernächste noch magerer. Für Regionen, die strukturell auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind – etwa weite Teile Subsahara-Afrikas, Teile des Nahen Ostens und Südasiens – bedeutet das binnen 18 bis 24 Monaten reale Hungerkrisen.

In Europa und Nordamerika stellt sich die Lage weniger dramatisch, aber keineswegs harmlos dar. Die Lebensmittelpreise werden auch hier signifikant steigen und die sozialen Spannungen nehmen zu. Die Regierungen werden schnell vor der schwierigen Entscheidung stehen, entweder die Landwirtschaft massiv zu subventionieren oder sinkende Ernteerträge in Kauf zu nehmen. Mittelfristig beschleunigte die Krise zwar die Entwicklung synthetischer Düngemittel aus erneuerbaren Energiequellen, doch bis solche Kapazitäten im industriellen Maßstab verfügbar sind, vergehen mindestens fünf bis zehn Jahre.

Eine gesperrte Straße von Hormus greift direkt auf den Tisch jedes Menschen weltweit durch. Nur die wenigsten sind sich dieser Gefahr augenblicklich bereits bewusst.

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