Schwefelsäure ist die meistproduzierte Industriechemikalie der Welt. Wer das nicht weiß, ist damit in guter Gesellschaft – denn kaum ein Stoff ist so entscheidend für die moderne Industrie und gleichzeitig so wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert wie Schwefelsäure. Eine dauerhafte Sperrung der Straße von Hormus würde die globale Schwefelsäureversorgung in einem Ausmaß erschüttern, das von Elektronik bis Medikamentenherstellung nahezu alles hart träfe.
Der Zusammenhang mit der Straße von Hormus ist ein indirekter, aber deshalb nicht weniger wirksam: Schwefelsäure wird in großen Mengen als Nebenprodukt der Erdölraffination sowie der Entschwefelung von Erdgas gewonnen. Die Golfstaaten produzieren erhebliche Mengen Schwefel als Beiprodukt ihrer Öl- und Gasverarbeitung.
Saudi-Arabiens großer Erdölproduzent Saudi-Aramco ist deshalb einer der größten Schwefelexporteure der Welt. Fällt diese Produktion weg oder können die Exporte nicht mehr die Straße von Hormus passieren, fehlt weltweit ein wesentlicher Anteil des Rohschwefelangebots, aus dem die Schwefelsäure hergestellt wird.
Das breite Einsatzfeld der Schwefelsäure weckt düstere Ahnungen
Wofür wird Schwefelsäure gebraucht? Die Liste ist erschreckend lang: Phosphatdünger können nicht ohne Schwefelsäure hergestellt werden. Damit verschärft sich die ohnehin dramatische Düngemittelkrise nochmals unmittelbar. Auch in der Produktion von Stahl wird Schwefelsäure zur Beizung von Metalloberflächen benötigt.
Die Batterieherstellung, insbesondere jene für Blei-Säure-Batterien in Fahrzeugen und Notstromsystemen, ist direkt von der ausreichenden Belieferung mit Schwefelsäure abhängig. Pharmazeutische Wirkstoffe, Farbstoffe, Reinigungsmittel und die gesamte petrochemische Industrie nutzen die Schwefelsäure ebenfalls als Grundstoff.
Ein Angebotsschock bei Schwefelsäure entfaltet deshalb eine toxische Wirkung quer durch alle Wertschöpfungsketten. Die Elektronikindustrie – ohnehin seit Jahren von Lieferkettenkrisen gebeutelt – sähe sich ebenfalls mit steigenden Rohstoffkosten für Leiterplattenproduktion und Batteriezellen konfrontiert.
Automobilhersteller könnten weder Stahl günstig veredeln noch Batterien zu Marktpreisen beschaffen. Die Pharmaunternehmen müssen ihre Produktionsmengen einschränken, wenn nicht mehr genügend Schwefelsäure zur Verfügung steht. Das wird in Ländern mit bereits fragiler Medikamentenversorgung gefährliche Engpässe erzeugen.
Nach sechs bis neun Monaten wird es ernst
Innerhalb der ersten drei Monate nach einer dauerhaften Sperrung der Straße von Hormus werden die Auswirkungen auf die Schwefelsäureversorgung bereits spürbar, aber noch weitgehend handhabbar sein, denn bestehende Lager und alternative Produktionsquellen in Europa, Kanada und Australien können den Engpass kurzfristig abfedern.
Nach sechs bis zwölf Monaten jedoch wird der Mangel eine kritische Schwelle erreichen, sodass Produktionsdrosselungen in der Chemie- und Stahlindustrie unvermeidlich werden. Dass die Preise in diesem Szenario explodieren werden, liegt auf der Hand.
Gesellschaftlich treffen diese Folgen über höhere Preise für Alltagsgüter von der Autobatterie bis zum Medikament mehr oder weniger alle Menschen gleichermaßen, denn die Schwefelsäure ist der unsichtbare Klebstoff der Industriegesellschaft und auch für dieses universelle Bindeglied ist die Straße von Hormus einer der wichtigsten Nachschubwege.
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