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KI, Rüstung, Energie: Warum jetzt Milliarden in Bergbauaktien fließen

4 Min.
KI, Rüstung, Energie: Warum jetzt Milliarden in Bergbauaktien fließen

Lange Zeit dominierten hoch bewertete Technologie- und Softwareaktien die Portfolios. Doch jetzt vollzieht sich ein massiver Stimmungswechsel: Mit der höchsten Dynamik seit Jahren schichtet das „Smart Money“ massiv in Sachwerte um – und katapultiert den Bergbau- und Metallsektor zurück auf die Einkaufslisten der Großinvestoren. Treiber dieser massiven Kapitalrotation sind der globale Ausbau der KI-Infrastruktur, explodierende Verteidigungsausgaben und der unbedingte Drang nach sicheren Energie- und Rohstofflieferketten. Bergbauaktien bedienen damit gleich mehrere dieser strukturellen Megatrends gleichzeitig – eine außergewöhnlich starke Ausgangslage für Investoren.

Wie enorm diese Gewichte verschoben werden, zeigen aktuelle Daten von ETFGI, die für Reuters ausgewertet wurden: Binnen eines Jahres hat sich das verwaltete Vermögen in Bergbau-ETFs mehr als verdoppelt – von 37 Milliarden auf 87,4 Milliarden US-Dollar zum 31. März. Allein das erste Quartal verzeichnete Zuflüsse von 8,24 Milliarden US-Dollar. Das markiert einen dramatischen Stimmungsumschwung von 10,8 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum ersten Quartal 2025, als Sorgen vor US-Zöllen noch zu Abflüssen von 2,52 Milliarden US-Dollar geführt hatten.

KI, Rüstung und Netzausbau: Die neue Materialintensität

Anders als der von China dominierte Rohstoff-Boom der 2000er-Jahre, fußt der aktuelle Schub auf einer deutlich breiteren, globalen Basis. Vermögensverwalter sehen einen unstillbaren Hunger nach Metallen für Netzinfrastruktur, Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur. Parallel dazu treibt der Rüstungssektor den Bedarf an strategischen Metallen in die Höhe.

Die Weltwirtschaft wird wieder materialintensiver. Fondsmanager sprechen bereits von den Vorboten eines neuen Rohstoff-Superzyklus. Kapital fließt gezielt aus dem hoch bewerteten Tech-Sektor – dessen Geschäftsmodelle teils selbst durch KI bedroht sind – in Unternehmen, die die absolute Kontrolle über knappe und kritische physische Rohstoffe haben.

Industriemetalle hängen Gold (vorerst) ab

Auffällig ist dabei die Präferenz der Investoren: Das große Geld fließt aktuell primär in die reale industrielle Nachfrage und weniger in den klassischen Krisenschutz. So verzeichneten Kupferfonds im März Zuflüsse von 198 Millionen US-Dollar, während bei Goldminenaktien Gewinne mitgenommen wurden. Der VanEck Gold Miners ETF (GDX) verlor im März 710 Millionen US-Dollar (liegt seit Jahresbeginn aber weiterhin mit knapp 1 Milliarde US-Dollar im Plus).

Dieser Trend spiegelt eine strategische Positionierung wider: Anstatt auf traditionelle sichere Häfen auszuweichen, reagieren Marktteilnehmer auf geopolitische Spannungen (wie den Iran-Konflikt) mit Investments in Energie, Infrastruktur und strategische Lieferketten. Die klaren Profiteure sind Kupfer, Stahl und Seltene Erden. Die Nettozuflüsse von fast 6 Milliarden US-Dollar in Öl- und Gasfonds im ersten Quartal unterstreichen: Der Markt wettet auf einen langfristigen physischen Kapazitätsausbau, nicht nur auf kurzfristige Preissprünge.

Kleiner Sektor, gewaltige Hebelwirkung

Die massive Kapitalflucht in Sachwerte birgt enorme Chancen, aber auch ein hohes Volatilitätsrisiko. Denn der Bergbau- und Metallsektor ist im Vergleich zum restlichen Aktienmarkt geradezu winzig. Die Konsequenz: Selbst moderate Mittelzuflüsse können gewaltige Preisexplosionen auslösen.

Ein Blick auf die Größenverhältnisse verdeutlicht dies:

  • Die fünf größten Bergbauunternehmen machen lediglich 0,4 % des MSCI ACWI Index aus (die Top-5-Tech-Konzerne liegen bei 16,8 %).
  • Produkte aus dem Bereich Metalle und Bergbau machen nur 0,57 % des gesamten Aktien-ETF-Marktes aus.
  • 2025 betrug das Handelsvolumen von Metall-Futures (wie Kupfer/Aluminium) an der LME 21 Billionen US-Dollar und bei Gold-Futures (CME) über 25 Billionen US-Dollar. Dem standen 85 Billionen US-Dollar im Nasdaq-100-Futures-Markt und über 135 Billionen US-Dollar bei S&P-500-Futures gegenüber.

Diese Enge des Marktes bedeutet, dass sich das Sentiment rasend schnell und heftig drehen kann – verstärkt durch globale Engpässe bei Förderung, Raffination und Transport.

Bewertungen lassen Raum für Fantasie

Trotz der jüngsten Kursrallyes ist der Sektor historisch gesehen noch immer günstig bewertet. Laut Reuters werden große Minenkonzerne aktuell mit dem 7- bis 8-Fachen des Unternehmenswerts zum EBITDA gehandelt. Zur Einordnung: Während des Booms von 2008 bis 2010 lagen diese Multiplikatoren bei etwa 14. Von einer Euphorie ist der Markt also noch weit entfernt.

Besonders Kupfer sticht als „Perfect Storm“ hervor, da es die Nachfragetrends (Stromnetze, Rechenzentren, E-Mobilität) mit einem notorisch knappen Angebot vereint. Die Investoren sind sich einig: Der Bergbau- und Metallsektor ist zurück als strukturelles Investmentthema. Anleger müssen sich jedoch bewusst sein, dass dieser massive Kapitalzufluss in Sachwerte selbst inflationär wirken kann (besonders bei angespannten Energiemärkten) und das Investmentprofil von enormer Aufwärtsfantasie, aber eben auch hoher Volatilität geprägt ist.

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