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Geopolitik, Inflation, US-Dollar: Bank of America sieht Rohstoffe vor einem Superzyklus

5 Min.
Geopolitik, Inflation, US-Dollar: Bank of America sieht Rohstoffe vor einem Superzyklus

Der Rohstoffmarkt rückt wieder in den Mittelpunkt der großen Kapitalmarktdebatte. Während Aktien weiter hohe Zuflüsse verzeichnen und Anleihen in einem schwierigen Umfeld verharren, sieht die Bank of America für die kommenden Jahre einen klaren strukturellen Gewinner: Rohstoffe. Aus Sicht der Analysten spricht vieles dafür, dass Investoren in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre verstärkt auf Energie, Metalle und andere natürliche Ressourcen setzen könnten. Der Hintergrund ist ein Zusammenspiel aus geopolitischen Spannungen, Inflation, Lieferkettenrisiken und einem schwächeren US-Dollar.

Diese Einschätzung zielt nicht auf eine kurzfristige Marktbewegung, sondern auf ein breiteres Muster. Die BoA beschreibt Rohstoffe als möglichen Hauptprofiteur eines Umfelds, das sich zunehmend unter dem Schlagwort „anything but bonds“ zusammenfassen lässt. Gemeint ist damit eine Kapitalmarktphase, in der Anleger Schutz vor Risiken suchen, Anleihen aber wegen fiskalischer Belastungen und schwankender Inflation nicht mehr automatisch als bevorzugte Absicherung gelten. In diesem Bild könnte der Rohstoffmarkt die Rolle übernehmen, die früher in vielen Portfolios eher Staatsanleihen innehatten.

Rohstoffe profitieren von Geopolitik, Inflation und Lieferketten

Nach Einschätzung der Bank of America hat sich das Umfeld für den Rohstoffmarkt in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Der Krieg im Nahen Osten und der globale Wettlauf um Künstliche Intelligenz lenken den Blick stärker auf Versorgungssicherheit. Regierungen versuchen, die Folgen stark steigender Preise für Energie und andere Rohstoffe für Industrie und Verbraucher zu begrenzen. Gleichzeitig wächst der Druck, den Zugang zu kritischen Mineralien und Seltenen Erden zu sichern, die für Technologie, industrielle Fertigung und digitale Infrastruktur unverzichtbar sind.

Gerade in diesem Spannungsfeld gewinnen Rohstoffe strategisch an Gewicht. Die Experten argumentieren, dass Geopolitik heute zunehmend von dem Versuch geprägt werde, die Kontrolle über Schlüsselrohstoffe zu sichern. Wer über Chips, Seltene Erden, Mineralien und Öl verfüge, verbessere damit auch seine Position im Wettbewerb um technologische und industrielle Stärke. Der Rohstoffmarkt ist in dieser Lesart nicht nur ein zyklischer Sektor, sondern Teil einer größeren politischen und wirtschaftlichen Neuordnung.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Performance wider. Der Bloomberg Commodity Index beispielsweise ist seit Anfang 2025 um 35% gestiegen. Das ist mehr als das Doppelte des Anstiegs des S&P 500 im gleichen Zeitraum. US-Staatsanleihen kamen im Vergleich dazu auf weniger als 7% Gewinn. Besonders stark war die Bewegung im Ölpreis, nachdem der Iran nach Ausbruch des Krieges die Straße von Hormus für den Großteil der Schifffahrt geschlossen hatte. Auch Metalle wie Gold, Silber und Kupfer profitierten bereits zuvor von Rückenwind durch Käufe der Zentralbanken und den Ausbau der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz.

Bank of America sieht Rohstoffe als Gewinner der zweiten Hälfte des Jahrzehnts

Für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts erwartet die Bank of America eine Verschiebung der Marktführerschaft. Aus fundamentaler Sicht könnten laut Bank of America Rohstoffe stärker profitieren als der US-Dollar. Zudem sieht man das internationale Börsensegment und kleinere Unternehmen gegenüber US-Titeln und Large Caps im Vorteil. Dahinter steht die Erwartung, dass geopolitische Unsicherheit, fiskalische Ausgaben und strukturelle Engpässe bei wichtigen Rohstoffen das Marktumfeld nachhaltig prägen werden.

Ein zentraler Punkt in dieser Argumentation ist die Skepsis gegenüber Anleihen. Nach Einschätzung der Analysten spricht der anhaltende fiskalische Überschuss vieler Staaten dafür, dass es in den nächsten Jahren eher Bärenmarktrallys bei Staatsanleihen geben werde, nicht aber einen neuen langfristigen Bullenmarkt. Für den Rohstoffmarkt wäre das ein unterstützendes Umfeld, weil Anleger nach Alternativen suchen, die sowohl Inflationsschutz als auch geopolitische Absicherung bieten können.

Kurzfristig setzt das Team der Bank of America allerdings nicht nur auf Rohstoffe. Bevorzugt werden derzeit auch Positionierungen auf eine steilere Zinskurve, da weitere Zinserhöhungen der Zentralbanken aus den Erwartungen herausgenommen würden. Zudem verweist man auf chinesische Technologieaktien, falls sich die Spannungen mit den USA weiter entspannen. Auch Konsumtitel und Chipwerte zählen kurzfristig zu den bevorzugten Bereichen, weil die Politik die Lebenshaltungskosten im Blick behalten muss und gleichzeitig die großen Technologieunternehmen ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur fortsetzen.

Warum der Rohstoffmarkt in ein größeres Kapitalmarktbild passt

Trotz des konstruktiven Bildes für Rohstoffe bleiben Aktien ein zentraler Teil des Marktgeschehens. Die Analysten verweisen darauf, dass Aktien auf dem Weg zu einem Rekordjahr bei den Mittelzuflüssen sind. Die Märkte würden von politischen Entscheidungsträgern zunehmend als „too big to fail“ betrachtet. Seit der globalen Finanzkrise hätten politische Eingriffe regelmäßig dafür gesorgt, dass stärkere Korrekturen oder ausgeprägte Bärenphasen an der Wall Street wieder eingefangen wurden.

Bislang verzeichneten Aktien im laufenden Jahr Zuflüsse von 275 Milliarden US-Dollar. Nach Einschätzung der US-Großbank dürfte dieser Trend anhalten, sofern es nicht zu einem größeren politischen Fehler kommt, etwa in Form eines Dollar- oder Anleiheeinbruchs oder eines gravierenden Kreditereignisses. Gerade deshalb ist die Sicht der Bank of America nicht als generelle Absage an Aktien zu verstehen. Vielmehr wird der Rohstoffmarkt als jener Bereich beschrieben, der in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld relativ an Bedeutung gewinnen könnte.

Damit ergibt sich ein Marktbild, in dem mehrere Entwicklungen gleichzeitig wirken: Aktien bleiben liquide und politisch gestützt, Anleihen verlieren an Strahlkraft, und Rohstoffe steigen von einem zyklischen Segment zu einem strategischen Baustein auf. Aus Sicht von Bank of America spricht vieles dafür, dass genau diese Verschiebung die zweite Hälfte der 2020er-Jahre prägen könnte. Der Rohstoffmarkt wäre dann nicht nur Reaktion auf Krisen, sondern Ausdruck eines umfassenderen Wandels in Weltwirtschaft, Geopolitik und Kapitalallokation.

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